Kann man Strom eigentlich “tanken“?

Mit der Entscheidung für mein Model S habe ich natürlich einen eigenen Wunsch erfüllt aber ich möchte auch ein Zeichen setzen und Vorreiter für eine bahnbrechende Entwicklung in der Fahrzeugtechnik sein. Daher ärgert es mich ganz besonders, wenn ich sprachlich von der Vergangenheit eingefangen werde und auf Begrifflichkeiten zurück greifen muss, die ich eigentlich hinter mir lassen wollte. 

Ich tanke nicht. Ich fahre schließlich genau deshalb einen Tesla Model S, um eben nicht mehr tanken zu müssen. Jedenfalls solange die technische Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass mein Auto Sonne tanken kann. Trotzdem werde ich in Gesprächen immer wieder mit Fragen konfrontiert, wie lange denn bei meinem Wagen das Auftanken dauert, wie weit ich mit einer Tankfüllung fahren kann und was einmal voll tanken denn so kostet.

Ich habe mich daher noch einmal geforscht, woher das Wort „tanken“ stammt und was es exakt mit automobiler Energieversorgung zu tun hat. Erstaunlich wenig wie sich mir bald zeigte.

Das Verb „tanken“ geht auf das  portugiesische  Wort „tanque“ („Behälter“, „Kanister“), bzw. dem spanischen „estanque“ („Wasserbehälter, Teich“) oder auch „estancar“ ((Wasser) „stauen“) zurück, die wiederum ihren Ursprung in der portugiesischen Kolonialzeit in Indien haben und von dem Hindi-Wort „tankh“ („Wasserbehälter“), bzw. anka („künstlicher Teich“) stammen.

Und ganz ursprünglich könnte auch das lat. „stagnum“ („Sumpf“) etwas damit zu tun haben.

Der gelegentlich zu hörende Begriff „Wassertank“ ist also ein „weißer Schimmel“. Und die „Tankstelle“ müsste eigentlich eine „Wasserbehälterstelle“ sein. Da viele Tankstellen heute einem kleinen Supermarkt ähneln, in denen auch Wasserflaschen verkauft werden, ist die Bezeichnung ja auch gar nicht so unpassend und falls sich irgendwann einmal die Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle als Energielieferant durchsetzen sollte, würde sogar ich wieder in Erwägung ziehen zu „tanken“.

Bei Wikipedia wird „Tanken“ wie folgt definiert:

„Die Betankung ist das Befüllen eines Kraftstoffbehälters mit einem flüssigen oder gasförmigen Kraftstoff.“

Und in einem Wörterbuch finde ich diese Synonyme:

Auffüllen, nachfüllen, nachschütten, voll gießen, einfüllen, vollschütten.

Nein, beim besten Willen, Strom und Flüssigkeiten bringe ich lieber nicht in Verbindung und ich kippe auch nichts in meinen Akkumulator hinein. Der Strom, den ich meiner Batterie zuführe, fügt rein physisch nichts hinzu, sondern sorgt für eine elektrochemische Reaktion, bei der Energie aufgebaut und gespeichert wird. Aber was passiert eigentlich genau bei der Aufladung eines Akkus?

Sehr stark vereinfacht lässt sich das Prinzip wie folgt erklären: In einem Akku befinden sich eine Elektrode und eine Gegenelektrode, die in Wechselwirkung zueinander stehen. Im „vollen“ Zustand sind Elektronen an eine dieser beiden Elektroden gebunden. Strom, den ich nutzen kann, um ein Smartphone, ein Notebook oder eben meinen Tesla Model S zu betreiben, entsteht in diesem System, wenn die Elektronen gezwungen werden, zu der Gegenelektrode zu wandern. Haben alle Elektronen ihren Platz gewechselt, heisst es umgangssprachlich, dass die Batterie „leer“ sei. Obwohl gar nichts ausgelaufen ist. Das kann natürlich auch passieren, ist aber noch eine ganze andere Geschichte.

http://www.klausolafzehle.de/teslablog/wp-content/uploads/2014/01/Tesla-Batterie.png

Bild: Tesla Akku

Bei einem Akku hat man im Gegensatz zu einer normalen Batterie die Möglichkeit diese Reaktion umzukehren und die Elektronen mittels zugeführter Energie wieder an die ursprüngliche Elektrode zu binden. Im Volksmund sagt man „Aufladen“ dazu, aber genauso wenig wie sich beim entladen etwas entleert, vermehrt sich dabei nichts. Lediglich die elektrische Ladung im Inneren der Batterie wird in den Ursprungszustand versetzt.

Strom kann man also streng genommen nicht „laden“, aber man kann die Energie um Strom zu verbrauchen in einem Akku speichern und dieser Vorgang wiederum nennt man aufladen und das hat mit der ursprünglichen Bedeutung von „tanken“ rein gar nichts zu tun.

Somit ist auch der Begriff „Smart tanken“ für ein Verzeichnis von Ladestationen wie er auf www.smarttanken.de oder  „Stromtankstelle“ wie er z.B. im Portal www.goingelectric.de verwendet wird absolut irreführend.

ladesäule vattenfallViel besser gefällt mir die Begrifflichkeit „Ladestation“ wie er bei www.lemnet.org verwendet wird oder „Ladesäule“ auf der RWE Seite oder „Ladepunkt  finden“in der RWE-App.
Für mich gilt jedenfalls:

Tanken war gestern – Laden ist heute.

 

Ein Gedanke zu „Kann man Strom eigentlich “tanken“?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.